Digitale Agenda – Faktencheck und Umsetzung

„Unternehmen müssen digitaler werden und Digital ist die Zukunft“ schallt es uns entgegen. Derzeit gibt es keine Zukunftsdiskussion, die ohne das Schlagwort „Digitalisierung“ auskommt:

Studien belegen, dass viele Unternehmen sich dem Thema konkret bis zögerlich annehmen – es sind die meisten- , es teilweise für irrelevant halten – einige wenige – oder es für sich bereits als umgesetzt betrachten -die wenigsten. Es ist jedoch gesicherte Erkenntnis, dass die Digitalisierung vielen Unternehmen in der Zukunft wirtschaftlichen Erfolg bringen wird. Doch was ist eigentlich unter dem „digitalen Unternehmen mit digitalen Prozessen und digitalem Geschäftsmodell zu verstehen?“?

  1. Eckpunkte der digitalen Agenda sind bekannt: Die Punkte zur Entwicklung eines digitalen Unternehmens sind in vielen Quellen beschrieben: die intensive, ganzheitliche Kundenfokussierung, das Wissen, wie die Veränderung passieren muss, eigene Budgetprozesse, digitale Organisationen außerhalb bestehender Organisationen, separate IT- Systeme, eigene Steuerung von digitalen Vorhaben, etc.
  2. Bedeutung der Unternehmenskultur: Sie ist der Treiber des Erfolgs eines jeden Unternehmens. Daher ist auch zu verstehen, dass digitale Unternehmen vollständig andere Kulturen haben als etablierte Unternehmen.
  3. Unterschiedlicher Grad der Bedrohung: Digitale Geschäftsmodelle werden die etablierten Geschäftsmodelle abhängig von der betroffenen Industrie in unterschiedlichem Maße bedrohen,
  4. Globale Veränderungen hat viele Facetten: Die globalen technischen und soziodemographischen sowie kulturellen Veränderungen bedingen neue Verhaltensweisen und Erwartungen bei allen Stakeholdern.
  5. Kulturveränderung als die große Herausforderung: Die hinter einer kulturellen Veränderung liegenden Prozesse sind multiple komplex und bedürfen einer maximalen Anstrengung des gesamten Managements. Erfolgreiche Beispiele sind Axel Springer, Allianz, Bosch.

Übersetzung der Faktenlage:

  1. Es gibt keine Blaupause: „DAS digitale Geschäftsmodell“ gibt es nicht! Jedenfalls nicht als Blaupause, die sich jedes Unternehmen industriespezifisch „herunterladen“ und auf das bestehende Geschäftsmodel überstülpen kann. Jedes Unternehmen muss sich seine ureigene digitale Agenda erarbeiten. Zusätzlich sind die Treiber jeder digitalen Agenda ohne Frage die Megatrends Big Data, Industrie 4.0, Crowd–xxx, Internet of Things, Sharing-Economy.
  2. Kulturveränderung muss sein: Die digitale Veränderung eines jeden Geschäftsmodells wird ohne eine fundamentale Kulturveränderung UNmöglich sein.
  3. Internalisierung der Komplexität: Nur durch das intensive Durchdringen der Komplexität der Zusammenhänge der Digitalen Agenda lässt sich die große Herausforderung zur Umsetzung verstehen. Dies funktioniert aber nicht mit ein paar Besuchen bei Startups, mit dem Eintauchen in die Digitale Welt in Berlin oder im Silicon Valley.
  4. Starke und konsequente Führung: Jede Veränderung braucht einen starken Leader – unabhängig, ob dieser männlich oder weiblich ist – einen Eigentümer, einen Kapitän, der das Schiff durch das schwere Wasser der digitalen Veränderung steuert.

5. Neue Art der Planung: Die Umsetzung einer digitalen Agenda ist mit der klassischen strategischen Planung nicht machbar. Zu schnell, komplex und anders sind mittlerweile die Rahmenbedingungen.

Da es „DIE digitale Agenda“ für DAS spezifische Unternehmen nicht gibt, muss ein jedes Unternehmen für sich definieren, was die eigene digitale Agenda bedeutet.

  1. Internalisierung: Ohne die vollständige Anerkennung der Faktenlage zur Digitalen Agenda und deren Komplexität in der Umsetzung sollte sich kein Unternehmenslenker in das Abenteuer der Transformation begeben.
  2. Digitale Change Architektur: Alle denkbaren Abhängigkeiten, Facetten und Entwicklungen mit Fokus auf das digitale Zielbild sind abzuwägen. Auf den verschiedenen Ebenen werden unter anderem die Veränderung der Kultur, die Transformation zum neuen Geschäftsmodell, die neuen Prozesse und die neue Organisation, die Art der Zusammenarbeit und eine neue Art der Kommunikation zu beschreiben sein.
  3. Digitale Change Choreographie: Beschreibung wer muss in welchen Abhängigkeiten welche Aktivitäten und Maßnahmen unternehmen, damit sich das digitale Unternehmen entwickelt. Es gilt den Veränderungsprozess konsequent zu steuern, über die richtige Entwicklung kontinuierlich zu reflektieren und bei Bedarf zu korrigieren.
  4. Intensive Change Kommunikation: Eine jede Veränderung sorgt bei allen Betroffenen für ein Höchstmaß an Irritation. Umso wichtiger ist die intensive, konsistente und transparente Begleitung des gesamten Veränderungsprozesses durch eine verständliche Kommunikation. Nicht jeder wird die Veränderung mitgehen wollen – auch Axel Springer hat mehr als 1/3 aller Führungskräfte auf dem Weg in die digitale Welt verloren.
  5. Eigenleistung und externe Unterstützung: Es gibt Unternehmen, die das Selbstverständnis und eine entsprechende Kultur haben, um eine digitale Agenda aus eigener Kraft umzusetzen. Es gibt aber auch Unternehmen, die sich Hilfe bei der Entwicklung ihrer spezifischen digitalen Agenda insbesondere als Coach für die Unternehmensführung suchen sollten.

Die Definition und die Umsetzung einer digitalen Agenda ist für jedes etablierte Unternehmen eine Chance zu einer Veränderung in eine erfolgreiche Zukunft. Allerdings wird dies nur gelingen, wenn die Komplexität der Veränderung zum digitalen Zielbild verstanden wird und das uneingeschränkte Commitment sowie Alignment der Unternehmensführung vorhanden sind.